In letzter Zeit bin ich sehr nachdenklich, was den Gebrauch von Smartphones, künstlicher Intelligenz und dem Internet im Allgemeinen angeht. Ich berühre mittlerweile seit über 30 Jahren die Körper und Seelen von Menschen, ebenso lange unterrichte ich in Gruppen Bewegung, achtsame Berührung, Körperbewusstsein…. und ich frage mich, was es ist, das anders geworden ist.
Mitte der 90er Jahre habe ich am Esalen Institute in Kalifornien gelebt, ein Ort, wo sich seit sechzig Jahren Pionier*innen der Human Potential Bewegung begegnen und Neues entwickeln. Ich kann mich an Vortragsabende mit Terence McKenna erinnern, einem Biologen, Philosoph und Bewusstseinsforscher. Er sprach über das “World Wide Web” als einen digitalen Raum, der im Entstehen war und zu dem alle Menschen Zugang haben werden. Das war damals eine ziemlich erstaunliche Vorstellung. Die wenigsten hatten davon gehört, geschweige denn eine praktische Erfahrung damit gemacht.
Terence McKenna sah im Internet das Wachsen eines „globalen, kollektiven Gehirns“. Er glaubte, dass der Cyberspace es der Menschheit ermöglichen würde, individuelle Grenzen aufzulösen und die kollektive menschliche Fantasie im Außen sichtbar zu machen. Er sah das als einen entscheidenden evolutionären Schritt für das menschliche Bewusstsein.
Nun sind 30 Jahre vergangen und ich frage mich, was der Gebrauch dieser Technologien mit unserem menschlichem Leib macht. Mit unserem Leib als Ort der Wahrnehmung, der Identität, der Bewegung, Resonanz und Lebendigkeit.
Manche sprechen darüber, dass viele Menschen ihr Smartphone als Teil ihres Körpers wahrnehmen. Mir scheint, dass die Tendenz dahin geht, dass Menschen ihren Körper dem Internet als Anhängsel zur Verfügung stellen und ihn weniger als ihren individuellen Lebens- und Spürraum bewohnen. Und es scheint mir nicht so, dass dies die Menschen freier, gelassener, begeisterter oder gesünder macht. Wie seht Ihr das?
Ich interessiere mich sehr für persönliche Erfahrungen in Bezug auf die symbiotische Verbindung mit diesem digitalen, weltweiten Netz oder eben der Getrenntheit davon… Wer von uns ist eigentlich noch im analogen Raum zuhause? Sobald Ihr diesen Newsletter lest und jetzt, während ich ihn schreibe, begegnen wir uns im digitalen, kollektiven Denk- und Sprachraum. Wie fühlt sich das leiblich an? Können wir lesen, schreiben, digital kommunizieren und gleichzeitig wahrnehmen, dass wir atmende, sinnliche Wesen sind, auf die die Schwerkraft wirkt und die im Zellstoffwechsel Teil dieses Planeten sind?
Um ein Bewusstsein für die Existenz im Leib, für sinnliche Wahrnehmung und zwischenmenschliche Resonanz zu fördern, dafür gibt es die Angebote des Instituts für Integrative Körperarbeit.
Unser menschliches Denken ist eben nicht nur ein Bewusstseinsvorgang losgelöst von Materie, sondern verankert und verwurzelt in leiblichen Erfahrungen. Dieses menschliche Denken lässt uns auch menschlich im Miteinander bleiben. So dass wir uns weiterhin im Empathie begegnen können, weil wir spüren, dass wir im Mensch-Sein gemeinsame Erfahrungen haben und uns in diesen schlussendlich nicht so sehr voneinander unterscheiden.
Könnte es sein, dass es auch dem großen Cyberspace gut tut, wenn er noch im Kontakt mit dem realen, irdischen, berührten und berührenden Dasein bleibt?
Ich würd’ sagen, wir beobachten das… was meint Ihr?
Mit Leib und Seele, Eure Ingrid


Schreibe einen Kommentar